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Versbuch

Spanische Tänzerin

Rainer Maria Rilke · 18751926

19 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Wie in der Hand ein Schwefelzündholz, weiß,eh es zur Flamme kommt, nach allen Seitenzuckende Zungen streckt —: beginnt im Kreisnaher Beschauer hastig, hell und heißihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten.

Und plötzlich ist er Flamme ganz und gar.

Mit ihrem Blick entzündet sie ihr Haarund dreht auf einmal mit gewagter Kunstihr ganzes Kleid in diese Feuersbrunst,aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken,die nackten Arme wach und klappernd strecken.

Und dann: als würde ihr das Feuer knappnimmt sie es ganz zusamm und wirft es absehr herrisch, mit hochmütiger Gebärdeund schaut: da liegt es rasend auf der Erdeund flammt noch immer und ergibt sich nicht —.Doch sieghaft, sicher und mit einem süßengrüßenden Lächeln hebt sie ihr Gesichtund stampft es aus mit kleinen festen Füßen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, S. 74, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Spanische Tänzerin (Neue Gedichte)“, Fassung 3.779.520 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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