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Versbuch

An der Ecke

Rainer Maria Rilke · 18751926

15 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1955

Der Winter kommt und mit ihm meine Alte,die an der Ecke stets Kastanien briet.Ihr Antlitz schaut aus einer Tücherspaltefroh und gesund, ob Falte auch bei Falteseit vielen Jahren es durchzieht.

Und tüchtig ist sie, ja, das will ich meinen;die Tüten müssen rein sein, und das Lichtan ihrem Stand muß immer helle scheinen,und von dem Ofen mit den krummen Beinenverlangt sie streng die heiße Pflicht.

So trefflich schmort auch keine die Maroni.Dabei bemerkt sie, wer des Weges zieht,und alle kennt sie – bis zum Tramwaypony;sie treibts ja Jahre schon, die alte Toni …Und leise summt ihr Herd sein Lied.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 30-31., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
Digitalisat
de.wikisource.org — „An der Ecke“, Fassung 3.778.985 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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