Aristogeiton
Otfried Krzyzanowski · 1886–1918
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Drei Frühlingstage war ich bang um dich.Ich wußte nichts. Doch ahnte ich – Böses.Schöner Knabe, folgsam der Sünde!Später vergaß ich.
Drei Wochen später! Da erzähltest du mir.Ich dachte: daß diese DingeEwig die gleichen sind!Das ist das Schöne.
Daß er dir Gift geschickt hat!Weil – du ihn batest darumIn der Stunde der Scham,Ist schön. Ich mußte doch lachen.
Das Gewissen tilgt den Dünkel nicht,Und die Götter müssen uns verdammen.Alles Tun und unsre Einsicht istFurchtbare Frechheit.
Einst war mir der Gedanke traurig,Daß diese Dinge ewig die gleichen:Jugend, Sünde, Scham, Verwirrung, Erwachen.Dann fand ich das Ewige schön.
Jugend, Sünde, und: daß du mir all dasErzählen mußtest: folgsam den Göttern,Schöner Knabe, dem Tode entronnen!Wie ich dich liebe!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Unser täglich Gift S. 17, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Aristogeiton“, Fassung 584.259 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Otfried Krzyzanowski starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 128523778 der Deutschen Nationalbibliothek.
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