Einem Künstler
Louise Otto-Peters · 1819–1895
30 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Robert.
Du hast’s gewagt, den Zauberzweig zu pflücken,Dich selber der Unsterblichkeit zu weihen,Uns andern aber höchstes Glück zu leihen,Im sel’gen Aufschwung und im Weltentrücken.
Du hast’s gewagt – uns bleibt nur das Entzücken,Denn Himmelsmächte sind es, die Dich feien,An der Heroen edle Schar Dich reihenMit ihrer schönsten Glorie Dich schmücken.
Ein Zauberreich mit heil’gen Tempelhallen,Drinn Geisterscharen jenen Zweig behüten,Das ist die Kunst zu der viel Tausend wallen –
Doch Wen’gen nur, die um den Zweig sich mühten,Ist er als Preis des Sieges zugefallen –:Dein aber ist er, Dein mit allen Blüten!
Lara.
„Wenn Lara kämpft für seine eigne Ehre“,So kämpft er für die Ehre alles SchönenUnd alles Hohen, kämpft mit Göttertönen,Und allem Niedrem setzt er sich zur Wehre.
Es ist die Kunst in ihrer ganzen Hehre,Begleitet von den lächelnden Kamönen,Die dann sich nahn, den Genius zu krönen,Der ein Verkünder ihrer reinsten Lehre:
Das Ew’ge soll im Endlichen erscheinenUnd doch uns selbst ins Reich des Ew’gen heben,Wo wir der Andacht Freudenthränen weinen.
Zum höchsten Ziel der Kunst, dem einzig einen,Heißt zu dem höchsten Ideale streben:Sich selbst der Welt als Ideal zu geben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 258-259, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Einem Künstler“, Fassung 3.728.278 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.