Winke-Winke
Kurt Tucholsky · 1890–1935
28 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 21. Dezember 1926
Winke-Winke von Theobald TigerDem Andenken des ermordeten Hans Paasche
Nun schwimm man ab.Wir haben lang genug gehört:„Ich weiß von nichts. Ich bin es nicht gewesen.“Und immer, wenn wer deine Leutnants stört,dann konnten wir ein klein Dementi lesen.Das wertete dann Jeder nach Gebühr.Denn du kannst nichts dafür.
Wie stark ist denn dein werter Schießverein?„Die Finger weg! Das Heer ist stets geheiligt!“Auf allen Fußballplätzen übt sich wer was ein,und niemals ist die Reichswehr dran beteiligt.Die Wehrverbände? Fememordgeschwür?Nie kannst du was dafür.
Du übernahmst das Heer der Republik.Was tatest du? Du wahrst die Traditionen.Und die die Wahrheit sagten in der Politik,die dürfen heut – dank dir – im Zuchthaus wohnen.Scharf schnappt ins Schloß die kleine Zellentür.Und du kannst nichts dafür.
Nun schwimm man ab, du süßes Ornament.Sieh, deine kleine Schwarze ist erwachsen heute …Du wirst wahrscheinlich Oberpräsident;denn so belohnt man hierzuland die großen Leute.Wir können uns bei dir bedanken. Rührdich endlich, Otto.Du kannst nichts dafür.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 22, Nummer 51, Seite 963, Verlag der Weltbühne, Berlin, 21. Dezember 1926
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Winke-Winke“, Fassung 3.580.777 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.