Der Greis
Christian Fürchtegott Gellert · 1715–1769
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1769
Von einem Greise will ich singen,Der neunzig Jahr die Welt gesehn.Und wird mir itzt kein Lied gelingen:So wird es ewig nicht geschehn.
Von einem Greise will ich dichten,Und melden, was durch ihn geschah,Und singen, was ich in GeschichtenVon ihm, von diesem Greise, sah.
Singt, Dichter, mit entbranntem Triebe,Singt euch berühmt an Lieb und Wein!Ich laß euch allen Wein und Liebe;Der Greis nur soll mein Loblied seyn.
Singt von Beschützern ganzer Staaten,Verewigt euch und ihre Müh!Ich singe nicht von Heldenthaten;Der Greis sey meine Poesie.
O Ruhm, dring in der Nachwelt Ohren,Du Ruhm, den sich mein Greis erwarb!Hört, Zeiten, hörts! Er ward gebohren,Er lebte, nahm ein Weib, und starb.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Erstes Buch. S. 12, 1. Auflage, M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig, 1769
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Greis“, Fassung 4.596.876 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Fürchtegott Gellert starb 1769; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1839 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118538322 der Deutschen Nationalbibliothek.
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