Die Abbitte
Christian Felix Weiße · 1726–1804
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Selinde sah vor wenig TagenDen jungen Damon freundlich an:Wie konnt ich einen Blick vertragen,Der viel, sehr viel bedeuten kann!Ich wollte sie alsbald verlassen,Und schwur: ich wollte nimmermehrSie wieder sehn, ja, sie gar hassen, – –Wenn es mir möglich wär.
Sie rieb die schönen Augenlieder,Und hub sie schmachtend in die Höh:Dann fiel ein falsches Thränchen niederWie Morgenthau auf jungen Klee.Drauf rang sie ihre weißen Hände,Und seufzt ein halb gebrochnes Ach!Ich – – sah erschrocken an die Wände,Und – – seufzte heimlich nach.
Sie wollte mir darauf entrinnen:Und ach! was hatt ich ihr gethan?Durch Seufzen war nichts zu gewinnen;Drum fing ich laut zu weinen an.Ich warf mich nieder: auf den KnieenStellt ich ihr meine Reue dar:Daß ich – – daß ich ihr schon verziehen,Daß ich – – zu ehrlich war.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 22-23, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Abbitte“, Fassung 3.469.009 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.