Das macht er mir nicht weiß
Christian Felix Weiße · 1726–1804
36 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Lykas, zitternd mit der Brille,Küßt Belinden, sie hält stille,Und wird seines Goldes Preiß:Daß er sich durch LiebkosungenIhre Hand, ihr Herz errungen,Nein, das macht er mir nicht weiß.
Gestern scherzt ich mit Nerinen,Trotz der alten ModeminenSah sie ziemlich roth und weiß:Doch daß sie vom Schlaf erwachet,Gleich so frühlingsmäßig lachet,Nein, das macht sie mir nicht weiß.
Mops will keine Schwäger nähren,Und macht seiner Frau, Neären,Oft darum die Hölle heiß:Er kauft ihr die frömmsten Bücher,Schließt sie ein, und glaubt sich sicher:Doch mir macht er es nicht weiß.
Ueber den Verfall der TugendSchreyt Beatrix, da die Jugend,Was sonst Mütter lernten, weiß.Daß stets Singen, Beten, LesenEinst ihr Zeitvertreib gewesen,Nein, das macht sie mir nicht weiß.
Keinen von den Freyern allenLäßt Themire sich gefallen,Sie kennt ihrer Schönheit Preis:Eingebildet will sie sterben,Wenn nicht Grafen um sie werben;Mir nur macht sie es nicht weiß.
Meine reitzende Selinde,Mit der ich mich ietzt verbinde,Ist für andre kalt wie Eis.Daß sie einzig für mich brennet,Außer mir kein Glücke kennet,Dies macht sie mir doch wohl weiß.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 113–114, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das macht er mir nicht weiß“, Fassung 2.565.239 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.