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Versbuch

Montreux

Alfred Henschke · 18901928

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Hier sieht die Landschaft man nicht vor Hotels.Es riecht nach Beefsteak und nach faulen Eiern.Schloß Chillon steht betrübt auf einem Felsund ist berühmt durch Dichtungen von Byron.

Der Tag beginnt mit einem fetten Lunch,dann schiebt zum Liegestuhl man sacht den vollengeliebten Bauch. Und Wesen, die sich Mensch(mit Unrecht) nennen, hügelabwärts rollen.

Wer unter hundert Franken Rente hat,(pro Tag), der ist ein wüster Proletarier.Man frißt an Hummer sich und Kaviar satt,und ist kein Kassenhaß von Jud’ und Arier.

In tausend Meter Höhe erst ist Luft,dort findet man zwei ärmliche Narzissen.Sie wachsen einer Jungfrau aus der Gruftund sind versehentlich nicht ausgerissen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 23, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Montreux“, Fassung 3.779.369 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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