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Versbuch

Gerichtet

Rainer Maria Rilke · 18751926

18 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1955

Am ›Ring‹ stand einst ein Blutgerüst,lang ist es her; doch wenn der Scheindes runden Monds das Rathaus küßt,dann wallen aus dem heilgen TeynGerichtete in Geisterreihn ...Weh wer sie sah!

Viel Herren fielen auf dem Ring;die Herren finden Ruhe nicht; –sie zogen eines Nachts: Es gingvoran Herr Christus, groß und licht,mit ernstem, traurigem Gesicht ...Und einer sahs!

Der war ein Maler. Und im Flugmalt er, wie er geschaut, den Ring.Er malt den ganzen Geisterzug,dem ernst voran Herr Christus ging.Er malt ... bis ihn ein Fieber fing ...Jetzt ist er tot. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 44., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
Digitalisat
de.wikisource.org — „Gerichtet“, Fassung 3.779.815 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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