Der Fremde
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1918
Ohne Sorgfalt, was die Nächsten dächten,die er müde nicht mehr fragen hieß,ging er wieder fort; verlor, verließ —.Denn er hing an solchen Reisenächten
anders als an jeder Liebesnacht.Wunderbare hatte er durchwacht,die mit starken Sternen überzogenenge Fernen auseinanderbogenund sich wandelten wie eine Schlacht;
andre, die mit in den Mond gestreutenDörfern, wie mit hingehaltnen Beuten,sich ergaben, oder durch geschonteParke graue Edelsitze zeigten,die er gerne in dem hingeneigtenHaupte einen Augenblick bewohnte,tiefer wissend, daß man nirgends bleibt;und schon sah er bei dem nächsten Biegenwieder Wege, Brücken, Länder liegenbis an Städte, die man übertreibt.
Und dies alles immer unbegehrendhinzulassen, schien ihm mehr als seinesLebens Lust, Besitz und Ruhm.Doch auf fremden Plätzen war ihm einestäglich ausgetretnen BrunnensteinesMulde manchmal wie ein Eigentum.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 99–100, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Fremde“, Fassung 3.087.274 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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