Die unmögliche Tatsache
Christian Morgenstern · 1871–1914
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Palmström, etwas schon an Jahren,wird an einer Straßenbeugeund von einem Kraftfahrzeugeüberfahren.
‚Wie war‘ (spricht er, sich erhebendund entschlossen weiterlebend)‚möglich, wie dies Unglück, ja –:daß es überhaupt geschah?
‚Ist die Staatskunst anzuklagenin Bezug auf Kraftfahrwagen?Gab die Polizeivorschrifthier dem Fahrer freie Trift?
‚Oder war vielmehr verboten,hier Lebendige zu Totenumzuwandeln, – kurz und schlicht:Durfte hier der Kutscher nicht –?‘
Eingehüllt in feuchte Tücher,prüft er die Gesetzesbücherund ist alsobald im Klaren:Wagen durften dort nicht fahren!
Und er kommt zu dem Ergebnis:Nur ein Traum war das Erlebnis.Weil, so schließt er messerscharf,nicht sein kann, was nicht sein darf.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Palmström, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die unmögliche Tatsache“, Fassung 3.780.388 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Morgenstern starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11881169X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.