Die Weidenkätzchen
Christian Morgenstern · 1871–1914
36 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1921
Kätzchen, ihr, der Weide,wie aus grauer Seide,wie aus grauem Samt!O ihr Silberkätzchen,sagt mir doch, ihr Schätzchen,sagt, woher ihr stammt.
»Wollen’s gern dir sagen:Wir sind ausgeschlagenaus dem Weidenbaum;haben winterüberdrin geschlafen, Lieber,in tieftiefem Traum.«
In dem dürren Baumein tieftiefem Traumehabt geschlafen ihr?In dem Holz, dem harten,war, ihr weichen, zarten,euer Nachtquartier?
»Mußt dich recht besinnen:Was da träumte drinnen,waren wir noch nicht,wie wir jetzt im Kleideblühn von Samt und Seidehell im Sonnenlicht.
Nur als wie Gedankenlagen wir im schlankengrauen Baumgeäst;unsichtbare Geister,die der Weltbaumeisterdort verweilen läßt.«
Kätzchen, ihr, der Weide,wie aus grauer Seide,wie aus grauem Samt!O ihr Silberkätzchen,ja, nun weiß, ihr Schätzchen,ich, woher ihr stammt!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Klein Irmchen, 1921
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Weidenkätzchen“, Fassung 3.780.518 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Morgenstern starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11881169X der Deutschen Nationalbibliothek.
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