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Versbuch

Pogrom

Alfred Henschke · 18901928

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom,am Montag rollt es wachsend durch die Gasse,am Dienstag spricht man schon vom Rassenhasse,am Mittwoch rauscht und raschelt es: Pogrom!

Am Donnerstag weiß man es ganz bestimmt:Die Juden sind an Rußlands Elend schuldig!Wir waren nur bis dato zu geduldig.(Worauf man einige Schlucke Wodka nimmt ...)

Der Freitag bringt die rituelle Leiche,man stößt den Juden Flüche in die Rippenmit festen Messern, daß sie rückwärts kippen.Die Frauen wirft man in diverse Teiche.

Am Samstag liest man in der „guten“ Presse:Die kleine Rauferei sei schon behoben,man müsse Gott und die Regierung loben ...(denn andernfalls kriegt man eins in die Fresse.)

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 26, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Pogrom“, Fassung 1.167.430 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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