Der Wagen rollt
Rudolf Baumbach · 1840–1905
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1907
Hoch auf dem gelben WagenSitz’ ich bei’m Schwager vorn.Vorwärts die Rosse jagen,Lustig schmettert das Horn.Berge und Wälder und Matten,Wogendes Aehrengold. —Möchte wohl ruhen im Schatten,Aber der Wagen rollt.
Flöten hör’ ich und Geigen,Kräftiges Baßgebrumm;Lustiges Volk im ReigenTanzt um die Linde herum,Wirbelt wie Laub im Winde,Jubelt und lacht und tollt. –Bliebe so gern bei der Linde,Aber der Wagen rollt.
Postillon an der SchenkeFüttert die Rosse im Flug;Schäumendes GerstengetränkeBringt uns der Wirth im Krug.Hinter den FensterscheibenLacht ein Gesichtchen hold. –Möchte so gern noch bleiben,Aber der Wagen rollt.
Sitzt einmal ein GerippeHoch auf dem Wagen vorn,Trägt statt Peitsche die Hippe,Stundenglas statt Horn –Ruf’ ich: „Ade ihr Lieben,Die ihr noch bleiben wollt;Gern wär’ ich selbst noch geblieben,Aber der Wagen rollt.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Lieder eines fahrenden Gesellen, 47. bis 51. Tausend, Cotta, Stuttgart und Berlin, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Wagen rollt“, Fassung 4.467.849 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Baumbach starb 1905; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1975 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118653857 der Deutschen Nationalbibliothek.
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