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Versbuch

Anto-logie

Christian Morgenstern · 18711914

24 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1981

Im Anfang lebte, wie bekannt,als größter Säuger der Gig-ant.

Wobei gig eine Zahl ist, diees nicht mehr gibt, – so groß war sie!

Doch jene Größe schwand wie Rauch.Zeit gab’s genug – und Zahlen auch.

Bis eines Tags, ein winzig Ding,der Zwölef-ant das Reich empfing.

Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb? –Sein Bein wird im Museum gelb.

Zwar gab die gütige Naturden Elef-anten uns dafur.

Doch ach, der Pulverpavian,der Mensch voll Gier nach seinem Zahn,

erschießt ihn, statt ihm Zeit zu lassen,zum Zehen-anten zu verblassen.

O ‚Klub zum Schutz der wilden Tiere‘,hilf, daß der Mensch nicht ruiniere

die Sprossen dieser Riesenleiter,die stets noch weiter führt und weiter!

Wie dankbar wird der Ant dir sein,läßt du ihn wachsen und gedeihn, –

bis er dereinst im Nebel hintenals Nulel-ant wird stumm verschwinden.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Alle Galgenlieder. S. 72–73, Diogenes, Zürich, 1981
Digitalisat
de.wikisource.org — „Anto-logie“, Fassung 3.779.807 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Morgenstern starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11881169X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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